Schwere Zeiten

Mit der Trauerfeier meines Vaters waren die Förmlichkeiten noch nicht beendet. Es gab auch noch eine Urnenbeisetzung. Zu dieser fanden sich dann auch nur seine Eltern, Mutti und ich ein. Das war eine gute Idee von mir gewesen.

Für uns alle war es sehr schwer, dieses neue Leben zu leben. Aber irgendwann holte uns der Alltag wieder ein.

Mutti ging nach nur drei Wochen wieder zur Arbeit. Sie meinte, zu Hause würde sie wahnsinnig werden. Trotzdem war es sehr schwer für sie, da ja jeder in der Firma von dem Unfall wusste. Es war vielen Menschen ein Bedürfnis, mit ihr zu reden und ihr Beileid zu bekunden.

Auch ich ging nach drei Wochen wieder zur Schule. Die Prüfungen standen vor der Tür. Und auch für mich waren die ersten Tage nicht leicht. Anders, als die Erwachsenen konnten die wenigsten meiner Mitschüler mit der Situation umgehen. Ich bemühte mich, so normal, wie möglich zu wirken. Das half den meisten, ihre Scheu relativ schnell zu überwinden. Und bald war alles wieder wie vor dem Unfall, zumindest, wenn ich in der Schule war.

Zu Hause sah es ein wenig anders aus. Ich bekam Panikattacken, hatte wahnsinnige Angst vorm Sterben und konnte in keinen Spiegel schauen. Es war mir auch fast unmöglich, für meine Prüfungen zu lernen. Meine Konzentrationsfähigkeit sank gen Null und es blieb nichts hängen.

Natürlich schaffte ich die Prüfungen, nur nicht mit den Ergebnissen, die meine Vorzensuren erwarten ließen. Aber das interessierte mich überhaupt nicht.

Am Schwierigsten gestaltete sich das Zusammenleben mit meiner Mutter. Wir waren es nicht gewohnt, allein miteinander zurecht zu kommen. Jörg war immer Dreh- und Angelpunkt in unserer Familie. Nun drehten wir uns nur noch um uns selbst, und das erzeugte Reibung. Wir waren über einige Jahre hinweg nicht gut darin, miteinander vernünftig umzugehen.

Aber wir schafften es, worüber ich sehr froh bin.