Aufräumen

Wenn ein geliebter Mensch von uns gegangen ist, wirkt es befremdlich, wie gnadenlos der Rest der Welt damit umgeht. Ich will mich da nicht beklagen! Wer kann schon erwarten, dass fremde Menschen Mitgefühl zeigen?

Es scheint dennoch eine rudimentäre Art von Trauerkultur in Deutschland zu herrschen. Die ersten Rechnungen kamen doch tatsächlich erst nach der Beerdigung. Zumindest bei Behörden und Ämtern erschien es mir, als ob da noch ein gewisser Anstand gewahrt wurde. Die Termine zur Begleichung der Rechnungen lagen auch so weit in der Zukunft, dass es mich direkt wunderte.

Andere sind da nicht so feinfühlig. In einer meiner Nachtwachen bei Heidi hatte ich mir eine Liste angefertigt, was ich alles abmelden muss. Und auch das erwies sich als sehr hilfreich. Hinterher haben wir nur noch ein Häkchen machen müssen und waren sicher, nichts vergessen zu haben.

Das mag zwar ein wenig nüchtern klingen. Ich kann euch aber versichern, dass sich meine Gedanken während dieser Nachtwachen größtenteils darum drehten, was ich machen soll, wenn es einmal so weit ist. Dem irdischen Leben meiner Mutter konnte ich nicht mehr helfen, als ich es schon tat. Und da ich den Schritt mit dem Beerdigungsunternehmen schon gegangen war, erschien mir dieser nächste Schritt nur folgerichtig.

Sicher hat da jeder seine eigenen Ansichten darüber, und das ist auch gut so.

Nachdem man das alles geregelt hat, beginnt die Zeit, wo man dann echt trauern kann. Diesmal durfte ich es auch tun. Und ich war sehr froh darüber.

Mich plagten noch Wochen lang Gewissensbisse, weil ich mir vorstellte, was ich ihr noch alles hätte Gutes tun können und nicht getan habe. Und auch da half mir das Hospiz noch einmal.

Wir brachten irgendwann die übrig gebliebenen Medikamente, Windeln und sonstige Hilfsmittel zu ihnen. Das war bewegend, denn sie kümmerten sich so liebevoll um uns, das wir das Gefühl hatten, hier werden wir aufgefangen. Es wurde ein langes Gespräch und ein tränenreicher Nachmittag aus diesem Besuch. Und zum Schluss lachten wir sogar. Wie gut das tat, könnt ihr euch nicht vorstellen.

Ihr wisst sicher, dass ich jetzt nur noch wenige Blutsverwandte habe. Abgesehen von ein paar weitläufigen Verwandten, von denen ich kaum etwas weiss, bleiben da nur noch mein Sohn, und mein Enkel, der diese Woche zwei Jahre alt wird.

Ich bin ein wenig traurig, dass ich nie einen Kommentar von meinen treuen Besuchern bekommen habe. Sicherlich liegt es an dem Thema.

Ich möchte den Blog auch gern weiter führen, ich kann mich nur nicht entscheiden, zu welchem Thema. Einerseits möchte ich gern das Hospiz-Thema anfassen und ein wenig dazu beitragen, dass es enttabuisiert wird. Dann kann ich aus meinem Tagebuch über meinen Sohn berichten, was sich ließt, wie die Geschichten von „Michel, aus Lönneberga“, und dann hätte ich auch noch einen Fantasy-Roman anzubieten. Was meint ihr?

Aber eine Geschichte habe ich noch. Im letzten Jahr verlor ich auch noch meinen Sohn. Nein, nicht erschrecken! Nicht an den Tod. Aber an einen Zauberwald, dessen höchste Pflanze Hanf ist. Die könnt ihr dann morgen lesen.

 

 

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