Beerdigung

Es ist für mich auch heute noch unfassbar, welche Maschinerie in Gang gesetzt werden muss, wenn ein Mensch himmelt.

Eine sehr liebe FastVerwandte aus der Familie meines Mannes riet mir noch zu Muttis Lebzeiten, mich nach einem passendem Beerdigungsinstitut umzusehen. Als sie das zu diesem Zeitpunkt zu mir sagte, dachte ich, die spinnt. Es kam mir so vor, als ob ich den Tod meiner Mutti als beschlossene Sache ansehen würde. Eigentlich war das ja auch so, aber ich sage euch, die Hoffnung stirbt wirklich zu Allerletzt.

Sie überzeugte mich letztendlich mit dem Argument, dass ich genug um die Ohren haben würde, wenn es wirklich so weit wäre. Dann bräuchte ich mich darum schon mal nicht mehr kümmern. Und, sie hatte Recht!

Ich rief das ausgewählte Beerdigungsinstitut am nächsten Morgen an, und an denen gab es wirklich nichts zu beanstanden. Sie behandelten Heidi mit der Ehre und Würde, die ich für sie beanspruchte auf ihrem letztem Weg.

Na gut, als sie dann mit dem Plastiksack kamen, fand ich das nicht so toll. Ich weiß, das es in ländlichen Gegenden auch nicht üblich ist. In einer Großstadt mit den viel zu engen Treppenhäusern ist es sicherlich annehmbar.

Heidi hatte in ihrem Testament alles niedergeschrieben, was sie zu ihrer Beerdigung haben wollte, und was nicht. Sie wollte keine Trauer-oder Kirchenmusik, sie wollte keine Lilien und keinen Redner, den sie nicht kannte

So hatten wir dann zur Trauerfeier drei Titel heraus gesucht. Andrea Berg mit „Und wenn ich geh“, Unheilig mit „So wie Du warst“, und die Titelmelodie von dem Film „Forrest Gump“. Heidi hat es sicher gefallen, schon deswegen, weil solche Titel in der kleinen Friedhofskirche sicher nicht oft gespielt werden.

Die Trauerrede habe ich selber geschrieben. Dazu brauchte ich zwei Tage. In diesen zwei Tagen wurde mir bewusst, dass man ja so eine Rede mehr für die Trauergäste schreibt, weniger zu Ehren des Verstorbenen. Irgendwann, nachdem der fünfte oder sechste Entwurf wieder im Datenmüll landete, beschloss ich, ein wenig Augenzwinkern mit hinein zu nehmen, und auf den üblichen stereotypen Lebenslauf weitestgehend zu verzichten.

Ich erinnerte die Menschen an die guten und liebenswerten Seiten von Heidi. Auch an die Seiten, die man besser mit dem Mantel der Liebe überdeckte.

Mein Sohn las die Rede vor. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich selbst hätte es nicht gekonnt.

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