…bis zum letzten Atemzug, der Zweite.

Der Unterschied zwischen einem Hausarzt und einem Palliativmediziner ist im wesentlichen der, das ersterer keine Hausbesuche macht und zweiterer bessere Medikamente verschreibt.

Nachdem ich dem Hospiz mitteilen durfte, dass Heidi sich „vorerst“ bei uns zu Hause behandeln lassen würde, vereinbarten wir sofort einen Termin für den nächsten Tag. Sie kamen zu dritt. Der Arzt untersuchte Heidi und unterhielt sich mit ihr. Eine Schwester füllte mit Hilfe meines Mannes die notwendigen Formulare aus, die andere Schwester erklärte mir genau, was in den nächsten Tagen und Wochen auf uns zukäme.

Alles geschah in einer so ruhigen und entspannten Atmosphäre, dass wir alle nach einer halben Stunde das Gefühl hatten, dass wir gut aufgehoben sind.

Heidi war nach ca. einer Stunde vollkommen schmerzfrei und saß in unserem Wohnzimmer, als wäre sie tatsächlich nur zu Besuch.

Von nun an wurde alles getan, um Heidi diesen letzten Weg so leicht, wie nur möglich zu machen. Die Menschen vom Brückenteam waren rund um die Uhr für uns da. Egal, was wir benötigten, ob es sich da um eine höhere Dosierung der Medikamente, irgendwelche Hilfsmittel, oder auch nur um Tipps und Tricks rund um`s Sterben ging, … sobald wir anriefen, waren sie da.

Wir hatten noch eine schöne Zeit und oft sehr viel Spass miteinander. Ja, ehrlich…, auch wenn das niemand glauben kann. Es gab nicht viel aufzuarbeiten, oder noch zu bereden. Wir ließen aber auch kein Thema aus. Mutti sagte manchmal:“Wenn ich einmal himmele, … „, oder „Wenn ich dann gehimmelt bin, …“.

Eine Schwester vom Hospiz nahm das auf. Sie fand das Wort und die Umschreibung so viel schöner, als vom Sterben zu reden. Sie nahm sich vor, diese Begrifflichkeit auch bei den Menschen im Hospiz zu verbreiten. Ich weiß nicht, ob sie das geschafft hat.

Wir waren jede Minute mit Heidi zusammen und erfüllten ihr jeden Wunsch, den sie noch äußerte. Ich hatte mich mittlerweile beurlauben lassen, womit ich ihr eine sehr große Freude bereitete. Wir ließen  eine Friseuse kommen, eine Fusspflegerin, eine Kosmetikerin … überhaupt alles, was bis dahin zu ihrem ganz normalem Wohlfühlprogramm gehörte, machten wir ihr möglich.

Ihr meint vielleicht, dass dies alles sinnlos wäre, angesichts des nahen Todes. Aber ich sage euch, für Heidi waren es Sternenstunden. Und für uns auch. Es lenkte uns alle von diesen schweren Gedanken ab, die uns doch ständig begleiteten.

Unser größtes Bestreben war es, nicht im Wartezimmer zum Tod zu sitzen. Wir wollten eine Brücke zu ihm bauen. Keine Hängebrücke und auch keine Bogenbrücke, nein…, es sollte eine glatte und ebene, ganz schmale Brücke sein. Mit links und rechts Geländer, an dem man sich festhalten kann. Und ich glaube, dass uns das sehr gut gelungen ist.

Natürlich war es auch sehr schwer, dem Krankheitsverlauf und dem schnellen Kräfteverlust meiner lieben Mutti zuzuschauen. Und da ich euch nicht überfordern möchte, schlage ich ihr letztes Kapitel morgen auf.

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