…bis zum letztem Atemzug

Es war nicht einfach mit ihr. Sie hatte wohl schon mit ihrem Leben abgeschlossen.Wir aber noch lange nicht.

Also nervte sie uns die Woche über mit allerlei Befindlichkeiten, die erst einmal nichts mit ihrer Krankheit zu tun hatten. Wir waren ständig dabei, sie davon zu überzeugen, dass sie uns nicht zur Last fällt und sehr gern bei uns bleiben kann.

Ich weiß nicht, wer von euch jemals in einer solchen Situation war. Es ist eine Gratwanderung. Auf der einen Seite war es sehr schwierig, wieder mit der Mutter unter einem Dach zu leben. Auf der anderen Seite hatte ich immer ihre Diagnose im Hinterkopf. Niemand will doch mit einem Menschen ungeduldig werden, der sein Todesurteil bekommen hatte.

Die ganze Woche schimpfte sie. Nichts konnte man ihr Recht machen. Dazu kamen die Schmerzen, abgelöst von nicht vorausschaubaren Kotz-Attacken und Müdigkeit. Nach dieser Woche hatten wir das Gefühl, dass wir das nicht durchstehen können. Als wir schon ernsthaft überlegten, ob wir sie nicht doch in ein Krankenhaus geben sollten, hörte sie von jetzt auf nachher auf, uns zu ärgern.

Was muss ein Mensch durchmachen und fühlen, der weiß, dass ihm das sichere Ende in absehbarer Zeit bevorsteht? Heidi hat nie darüber gesprochen. Sie hörte nur auf damit, dominant zu sein.

Zwei Tage danach kamen diese fantastischen Menschen vom Brückenteam des Hospizes das erste Mal zu uns. Heidi hatte eine Heidenangst vor dem Termin. Den Arzt schaute sie an, an wolle er sie zur Schlachtbank treiben.

Ich hatte noch mehr Angst vor diesem Termin, da ich meine Mutter kannte. Ich wusste genau, wenn sie hier dicht macht, haben wir keine Chance mehr.

 

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